Saturday, July 09, 2005

"Bekenntnis zur Bescheidenheit"

25. Juni 2004
Berliner Ort des Denkens
Zur "Topographie des Terrors"
THOMAS MEDICUS
Und sie bewegt sich, mit Unterstützung des Bundes, doch, die Berliner Stadtpolitik. Zumindest bei der Gestaltung der "Topographie des Terrors" geht sie sogar in die richtige Richtung, nämlich nach vorne. Allein politisch-symbolisch war es nicht, als gestern die erst seit wenigen Monaten amtierende Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, der Geschäftsführende Direktor der "Stiftung Topographie des Terrors" Andreas Nachama, sowie Brigitte Lange, kulturpolitische Sprecherin der Berliner SPD-Fraktion, zum Ortsterminauf das ehemalige Gestapo-Geländebaten.

[...] Eine neue architektonische Gestaltung dürfe deshalb nicht die "Bedeutung des Ortes verbergen" - ein Bekenntnis zur Bescheidenheit, das aufhorchen ließ, nicht nur weil der Kostenrahmen von 23 Millionen Euro eingehalten werden muss. Dem Votum gegen eine spektakuläre skulpturale Denkmalsarchitektur schloss sich indirekt auch Andreas Nachama an. Er sprach von der Notwendigkeit einer "anspruchsvollen, aber dienenden Architektur", die ohne "blinde Hast"gefunden werden müsse.

Während des Rundganges skizzierte Nachama die durch die Geschichte des Geländes vorgegebenen Grundelemente, die eine zukünftige Gestaltung zu berücksichtigen habe. Dem Besucher müsse ein "Prozess zunehmender Radikalisierung" vermittelt werden: wie die zivilen Gebäude einer Kunstgewerbeschule oder des aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammenden Prinz-Albrecht-Palais zu Terror- und Täterzentralen geworden seien. Seien der das Gelände umgebende Bauzaun sowie Zumthors Treppentürme erst einmal gefallen, werde es im wesentlichen drei Bereiche geben: die Ausgrabungen entlang der Wilhelm- und Niederkirchnerstraße, die Zellenböden als Symbole für den "Nukleus des nationalsozialistischen Terrorapparates" sowie das so genannte Robinienwäldchen als "Ort der Stille". Wo heute eine trügerische Idylle herrscht, befanden sich bis Kriegsende Gebäude des Sicherheitsdienstes, des Reichssicherheitshauptamtes sowie des Goebbelschen Parteiblattes Der Angriff. In den achtziger Jahren machten sich hier die bis heute sichtbaren Pisten eines "Autodroms" breit. Das Gelände des Prinz-Albrecht-Palais als Ort der Erinnerung an den NS-Terror ist zugleich ein Ort, der Zeugnis ablegt vom Vergessen der NS-Vergangenheit - auch daran wird die "Topographie" erinnern müssen. [...]